Vereinzelt sind die ersten Frühlingsboten schon in den Geschäften anzutreffen. Setzen Sie einige Kirsch-,
Apfel- oder Haselnusszweige zusammen mit Tulpen in eine Vase. Sehr schön sind auch Tulpen zusammen mit Ginster. Und wer im Garten einen Winterschneeball hat, kann auch hier einige Zweige dazwischenstecken. Die rosa Knospen öffnen sich nach einigen Tagen und die schönen zartrosa Blüten verströmen einen herrlichen Frühlingsduft.
Eine kleine Blumeninsel können Sie mit ein paar Frühlingsblühern in Töpfen arrangieren. Setzen Sie diese in eine hohe Schale oder einen kleinen Holzkübel und füllen Sie die Zwischenräume mit Sand. Einige
Weidenkätzchen oder ein Korkenzieher-Haselzweig bilden einen schönen Hintergrund und der grüne Moos, der zum Abdecken verwendet wird steht im herrlichen Kontrast zu den farbigen Blüten. Da diese
Frühlingsblüher die hohen Zimmertemperaturen nicht gewohnt sind, diese möglichst kühl, aber frostfrei stellen.
Dass es nicht immer ein voluminöser Strauß sein muss, beweist dieses kleine Arrangement. Damit diese Tulpen auch schön stehen, wurde ein Blumenhalter, ähnlich einem Kenzan verwendet. Wie man sieht kann
man auch mit wenigen Gestaltungsmaterialien viel Aufmerksamkeit wecken.
Einfach aber mit dem richtigen Gefäß ins Szene gesetzt ist diese Schale mit Vergißmeinnicht.
Noch ist bei uns sehr winterlich, aber wenigstens in der Wohnung soll der Frühling schon Einzug halten? Das Gesteck links ist aus natürlichen trockenen Materialien, sowie Seidenblumen und deshalb auch
lange haltbar. Das Gesteck läßt sich aber auch leicht mit frischen Materialen nacharbeiten.
Ikebana heißt wörtlich übersetzt „lebende Blumen“ und wird auch Kado - „Weg der Blumen“ genannt. Die
traditionelle Kunst des Blumensteckens hat ihren Ursprung in den rituellen Blumenopfern in buddhistischen Tempeln, die im 6. Jht. n. Chr. ihren Weg von China nach Japan fanden.
Einst war Ikebana die Domäne von Männern: nur Priester, später auch hohe Adelige und Samurai durften die komplizierte Kunst der Blumenarrangements erlernen. Erst ab dem 16. Jahrhundert wurde Ikebana durch
die Einbindung in die Teezeremonie weiter verbreitet. Im Laufe der Zeit entwickelten sich viele verschieden Stile und Schulen, jede mit ihren eigenen Gestaltungsregeln. Heute gibt es über 3.000
Ikebanaschulen, von klassisch bis modern. Mit der „revolutionären“ Erfindung des Kenzan Ende des letzten Jahrhunderts entstand der Moribana-Stil, der nicht nur große künstlerische Freiheit zuließ,
sondern durch seine einfachere Technik das Ikebana einer breiteren Bevölkerungsschicht öffnete.
Allen Stilen gemein ist das Ziel, Harmonie zwischen unserer menschlichen Kreativität und den Wachstumskräften der Natur herzustellen. Stets präsent sind die drei Hauptlinien – Shin, Soë und Hikaë – die
Himmel, Mensch und Erde symbolisieren. Dazu gesellen sich weitere Nebenelemente. Ein gelungenes Ikebana-Arrangement erfasst den Charakter der verwendeten Materialien und transportiert damit auch den
emotionalen Aspekt der Schönheit und Vergänglichkeit der Natur.
Was diese Kunstform so faszinierend macht, ist vor allem der empfindsame Sinn fürs Detail und die exakte, möglichst effektive Platzierung der einzelnen Pflanzenteile und ihr Verhältnis zueinander. Die
dreidimensionale Darstellung erfordert genaues Hinschauen, denn ein Ikebana-Arrangement muss von allen Seiten Spannung, Tiefe und Fülle zeigen.
Harmonie von Mensch und Natur Freude am Gestalten, die Suche nach etwas Neuem, aber auch nach Entschleunigung sind typische Motive, warum Menschen sich mit Ikebana beschäftigen. Das schöpferische Tun
ermöglicht dabei mit relativ einfachen Mitteln einen seelischen Ausgleich zur Hektik des Alltags. In der Konzentration auf das Wesentliche finden viele Menschen Entspannung und sind damit in der Lage,
den täglichen Herausforderungen besser zu begegnen. Ikebana kann damit durchaus auch eine Form von Meditation sein, um Ruhe und den Weg zu sich selbst zu finden.
„Mit Ikebana beschäftigen sich Menschen, die die Natur lieben“, bringt es Helga Frickenstein auf den Punkt. Das trifft immerhin auch auf die meisten passionierten Gärtner zu! Wer einmal mit den
Grundprinzipien vertraut ist – ausgedrückt im Dreierprinzip von Himmel, Mensch und Erde, die durch verschiedene Blumenelemente repräsentiert werden – dem werden regelrecht die Augen geöffnet. „Man geht
auf einmal mit ganz anderem Blick durch die Natur und entwickelt eine viel bewusstere Wahrnehmung“, erklärt die Ikebana-Meisterin, die sich schon seit 25 Jahren mit der traditionellen Kunst aus Japan
beschäftigt.
Blüten aus dem Garten – Gefäße aus Japan Das geeignete Pflanzenmaterial lässt sich leicht aus Garten, Wiese oder zur Not
auch aus dem Blumenladen besorgen. Wichtig sind jedoch die richtigen Gefäße und das spezielle Zubehör, die lange Zeit im Westen schwer zu finden waren.
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